Extremismus
Extremismus Allgemein
Was ist Extremismus?
Tatsächlich gibt es mehrere Herangehensweisen, Extremismus zu definieren. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass Extremismus Meinungen und Ideologien beschreiben, die stark vom aktuellen Gesellschafts-, Staats- und/oder Rechtssystem abweichen und darauf abzielen, dieses abzuschaffen. Diese Ideologien sind für extreme Gruppierungen wie “unumstößliche Wahrheiten”; Andersdenkende werden diskreditiert bzw. diffamiert und keine andere Meinung wird zugelassen.
Einerseits kann man Extremismus anhand der Bestrebungen und Forderungen definieren. Es wird versucht, ein neues Staats- und/oder Gesellschaftssystem aufzubauen und das Alte zu zerstören. Für Deutschland wird dabei oft die Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung genannt.
Aber auch die Mittel, die von Gruppierungen genutzt werden, können zur Definition von Extremismus genutzt werden. Extreme Gruppen setzen auf unterschiedliche Formen von Gewalt, um ihre Ideologie durchzusetzen. Von Beleidigungen und Bedrohungen über Sachbeschädigung bis hin zu Gewalt gegen Menschen ist alles denkbar. Manche Gruppierungen wenden auch gar keine Gewalt an, sondern veranstalten bspw. Desinformationskampagnen.
Welche Formen von Extremismus gibt es?
Rechtsextremismus
- Ziel: Abschaffung der Demokratie, Rechtsstaat, und Grundrechte; Überlegenheit der eigenen Ethnie (”Rasse”) propagieren
- Ideologien:
- Antisemitismus: Vor allem bekannt als Feindlichkeit gegen Juden
- Nationalismus: Abschottung zu anderen Staaten, “eigenes Land ist überlegen”, Diskriminierung anderer Völker
- Autoritarismus: “Diktatur” - ein Mann/eine Partei soll die uneingeschränkte Macht haben
- sonstige Menschenfeindliche Ideologien: Rassismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, …
- Straftaten: über 42.700, davon 1.280 Gewaltdelikte im Jahr 2024
Linksextremismus
- Ziel: Schaffung einer klassenlosen, total egalitären (Alle Menschen sind gleich) Gesellschaft, Kapitalismus abschaffen, Einführen des Sozialismus, Kommunismus oder Anarchismus
- Ideologien:
- Marxismus:
- Kommunismus: Klassenlose Gesellschaft, kein Privateigentum - vergesellschaftlichte Produktion und Konsum, Bedürfnisprinzip - jeder nimmt sich das, was er braucht
- Sozialismus: Vorstufe zum Kommunismus; Produktionsstätten werden verstaatlich; Staat regelt gesamte Produktion (Planwirtschaft); soziale Gleichheit
- Autoritarismus
- Marxismus:
- Straftaten: 9.970, davon 532 Gewaltdelikte im Jahr 2024
religiöser Extremismus/Fanatismus
- Ziel: die Lehren und Regeln der eigenen Religion als Gesellschaftsform
- Ideologien hängen von der Religion ab
- z. B. Islamismus:
- radikale Auslebung des Islams
- Einführung der Scharia (islamisches Recht- und Regelwerk)
- Antisemitismus
- Straftaten: 1.870 im Jahr 2024
Warum ist Extremismus gefährlich?
Extremismus, in jeder Form, gefährdet das friedliche Zusammenleben, weil er grundlegende Werte wie Demokratie, die Würde des Menschen und Meinungsfreiheit ablehnt. Extreme Ideologien stellen die eigenen Ansichten als absolute Wahrheit dar und lassen keinen Raum für Diskussion oder andere Sichtweisen. Wer nicht dazugehört, wird ausgegrenzt, beleidigt, bedroht oder sogar angegriffen. Auf diese Weise entstehen Feindbilder, die Misstrauen, Hass und Gewalt in der Gesellschaft verstärken.
Darüber hinaus stoppen Extremisten selten bei radikalen Forderungen. Viele Gruppierungen versuchen, gezielt Einfluss auf die Gesellschaft und Politik zu nehmen. Dabei nutzen sie unterschiedliche Mittel: Manche verbreiten Falschinformationen in sozialen Netzwerken, um Unsicherheit zu schüren oder bestimmte Bevölkerungsgruppen schlecht darzustellen. Darüber hinaus haben Falschinformationen, besonders in Form von Verschwörungstheorien, auch das Ziel, Zweifel an demokratischen Institutionen oder der Wissenschaft zu schüren und Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben. Viele schrecken nicht davor zurück, Menschen direkt anzugreifen - sei es durch Bedrohungen, Sachbeschädigungen oder (schwere) körperliche Gewalt, im schlimmsten Fall sogar gegen das menschliche Leben.
Die einzelnen Formen des Extremismus haben verschiedene Ziele aber ähnliche Folgen. Politisch motivierte Extremisten wollen ganze Staats- und Gesellschaftssysteme abschaffen und durch ihre Ideologie ersetzen. Religiöse Extremisten nutzen den Glauben, um Gewalt zu rechtfertigen oder andere Glaubensrichtungen abzuwerten.
All diese Formen haben eines gemeinsam: Sie untergraben das Vertrauen in ein respektvolles und freies Miteinander und können langfristig dazu führen, dass demokratische Strukturen geschwächt oder sogar zerstört werden.
Extremismus im Internet
Wie und Wieso nutzen Extremisten das Internet?
Das Internet bietet Extremisten viele Vorteile: Sie können ihre Botschaften mit wenig Aufwand an Tausende Menschen weitergeben, dabei wahlweise anonym bleiben und auf Wunsch auch gezielt bestimmte Gruppen ansprechen. Vor allem junge Menschen sind für sie interessant, weil sie viel Zeit online verbringen und dort nach Orientierung, Zugehörigkeit und Austausch suchen.
Extremisten nutzen dabei sehr unterschiedliche Plattformen:
- Soziale Netzwerke (TikTok, Instagram, YouTube) → Dort werden kurze, unterhaltsame Videos oder auffällige Memes hochgeladen, die auf den ersten Blick harmlos wirken. Häufig werden Witze oder Trends aufgegriffen, um unterschwellig extremistische Botschaften einzubauen. Besonders Youtube Shorts oder Instagram Reels sind in den Mittelpunkt der extremistischen Arbeit gerückt, weil man seine Ideologien schnell verbreiten kann. Außerdem bekommen User, die in irgendeiner Form mit diesen Beiträgen interagieren (kommentieren, bis zu ende anschauen) solche Inhalte öfter angezeigt (Verweis auf Algorithmen)
- Messenger (Telegram, Discord) → Extremisten erstellen private Gruppen, in welche Jugendliche und junge Erwachsene eingeladen werden. In diesen Gruppen können Inhalte ungestört geteilt und kommentiert werden . Neue Mitglieder werden schrittweise mit radikaleren Botschaften konfrontiert. Mit der Zeit verbreiten diese Mitglieder die Inhalte an Freunde, Familie und Andere weiter.
- Gaming-Communities und Chats: Auch in Online-Spielen suchen Extremisten gezielt Kontakt. Sie nutzen Sprach- oder Textchats, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Die meisten Spiele mit diesen Funktionen haben die Möglichkeit, Mitspieler als “Freunde” hinzuzufügen, wodurch die Extremisten mit den Jugendlichen in Kontakt bleiben können.
Wie kann ich mich vor extremistischen Inhalten schützen?
Der beste Schutz ist ein kritischer und bewusster Umgang mit Inhalten im Netz. Wenn ein Video, ein Meme oder eine Nachricht stark provoziert oder sehr einseitig wirkt, ist es sinnvoll, die Inhalte zu überprüfen:
- Quelle prüfen: Wer hat den Inhalt erstellt? Ist es eine seriöse Nachrichtenquelle oder ein unbekannter Kanal mit fragwürdigen Aussagen?
- Fakten gegenchecken: Stimmt das, was behauptet wird? Oft helfen Faktenchecks von Zeitungen oder speziellen Plattformen, um Desinformation zu erkennen. (Verweis auf Factchecking)
- Ausblenden: Auf TikTok, Instagram oder YouTube kann man Inhalte melden, Kanäle blockieren oder Kommentare sperren. So wird der Einfluss extremistischer Beiträge verringert.
Bei Kindern und Jugendlichen ist es wichtig, regelmäßig über Aktivitäten und Erlebnisse im Internet zu sprechen. Wer das Gefühl hat, auf schockierende oder verstörende Inhalte gestoßen zu sein, sollte sich nicht allein damit beschäftigen, sondern mit Eltern, Lehrkräften oder vertrauten Personen darüber reden. So ist die Gefahr der Manipulation unwahrscheinlicher und die Folgen werden bestenfalls abgewendet.
Wie kann ich Menschen helfen, die selbst in extremistischen Organisationen gerutscht sind?
Wenn man bereits in extremistische Kreise hineingeraten ist, kommt man nur sehr schwer wieder raus. Solche Gruppen geben ihren Mitgliedern ein starkes Gemeinschaftsgefühl und vermitteln das Gefühl, „endlich verstanden zu werden“. Gleichzeitig bauen sie Feindbilder auf und schotten ihre Mitglieder von anderen Meinungen ab.
Umso wichtiger ist es, Betroffenen mit Geduld, Verständnis und Offenheit zu begegnen. Vorwürfe oder Abwertungen führen meist nur dazu, dass sie sich noch stärker an die Gruppe binden. Stattdessen sollte man den Kontakt aufrechterhalten, zuhören und kleine Zweifel an der extremistischen Sichtweise ernst nehmen.
Darüber hinaus gibt es professionelle Hilfsangebote wie Beratungsstellen, Hotlines oder Aussteigerprogramme. Sie bieten Unterstützung im Umgang mit extremistischen Strukturen, helfen bei rechtlichen Fragen und eröffnen Perspektiven für ein Leben außerhalb solcher Szenen. Wer jemanden kennt, der betroffen ist, kann dabei helfen, die Schwelle zu senken – etwa, indem man beim ersten Gespräch mit einer Beratungsstelle dabei ist.
So können Menschen Schritt für Schritt aus extremistischen Organisationen herausfinden und wieder in ein selbstbestimmtes, freies Leben zurückkehren.
Quellen:
https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/PMK/PMKZahlen2024/PMKZahlen2024_node.html