Gefährliche Einflüsse im Internet

Gefährliche Einflüsse im Internet – und wie Du Dich davor schützt

Das Internet kann dich inspirieren, informieren und verbinden. Aber es kann auch gezielt Inhalte streuen, die dein Denken verschieben, dich unter Druck setzen oder dich in riskantes Verhalten treiben. Gerade jüngere Menschen sind oft besonders empfänglich für Gruppenmeinungen, Trends und Alle…-Effekte. Unten findest du zu unterschiedlichen Themen eine kurze verständliche Beschreibung, eine Auflistung möglicher Risiken – wenn man die Inhalte ernst nimmt und den Empfehlungen folgt – und konkrete Tipps, wie du Falschmeldungen erkennst und was du tun kannst, wenn du sie siehst.

1) Falsche Schönheitsideale

Im Netz werden oft unrealistische Körperbilder verkauft: „perfekte“ Haut, extrem schlanke oder „definierte“ Körper, gefilterte Fotos, stark bearbeitete Videos und „Erfolg durch Aussehen“-Botschaften. Häufig dahinter: Werbung, Affiliate-Links, Schönheits-Apps, Kosmetik- oder Fitness-Programme – oder sogar Druck durch „Vorher/Nachher“-Vergleiche. Leider orientieren sich immer mehr Menschen an diesen falschen oder unrealistischen Schönheitsidealen und versuchen diesen zu entsprechen.

Risiken & Konsequenzen, wenn man falsche Schönheitsideale als Vorbild für sich selber nimmt:

  • Psychischer Druck: Scham, Minderwertigkeitsgefühle, Angst, „nicht genug“ zu sein.
  • Essstörungen & riskantes Verhalten: extremes Diäten, exzessives Training, teils gefährliche Supplements.
  • Teure Fehlentscheidungen: unnötige Produkte/Behandlungen statt seriöser Hilfe.
  • Sozialer Rückzug: weniger Selbstvertrauen, Konflikte in Beziehungen.

So erkennst du, ob es wirklich „echt“ ist:

  • Achte auf Filter/Retusche: Unnatürliche Hauttextur, „bewegliche“ Gesichter, verschmierte Details.
  • Schau auf Vergleiche ohne Bearbeitung: Werden echte Vorher/Nachher-Studien gezeigt?
  • Prüfe die Werbeversprechen (Claims): „100% Ergebnis“ ohne Daten/Studien = Warnsignal.
  • Seriosität erkennst du an: realistischen Aussagen, Hinweis auf Grenzen, Quellen.

Was tun, wenn du falsche Inhalte siehst:

  • Folge Accounts, die divers zeigen (Körpervielfalt, echte Geschichten).
  • Nutze „Pause“-Funktionen: Wenn du nach dem Scrollen schlechter fühlst, ist das ein Zeichen.
  • Sprich mit jemandem (Freund:in, Vertrauenslehrkraft) – oder hol Dir professionelle Hilfe, wenn du merkst, dass es dich stark belastet.

2) Gezielte Propaganda

Propaganda ist bewusste Beeinflussung: Inhalte werden so ausgewählt, verdreht oder emotional formuliert, dass sie eine bestimmte Meinung „einbrennen“. Das kann politisch, kulturell oder auch gegen bestimmte Gruppen gerichtet sein. Oft sind es angebliche „Skandale“, „Insiderinfos“ oder Videos, die nur eine Seite zeigen und gezielt Informationen auslassen.

Risiken & Konsequenzen, wenn man die Meinung aus gezielter Propaganda ungeprüft übernimmt:

  • Fehlentscheidungen: Du glaubst Dinge, die nicht stimmen – und handelst danach.
  • Hass & Polarisierung: Misstrauen gegen „die anderen“, Konflikte nehmen zu.
  • Radikalisierung: Schritt für Schritt wird „Widerspruch“ als Gefahr dargestellt.
  • Verlust von Medienkompetenz: Man prüft weniger, weil man „ja die Wahrheit kennt“.

So erkennst du Echtheit & Faktentreue:

  • Wer ist die Quelle? Gibt es eine verifizierbare Basis (Originalmaterial, Daten, Kontext)?
  • Werden Fakten weggelassen? Ein echtes Bild braucht vollständigen Kontext.
  • Achte auf Emotion statt Information: „Empörung in 30 Sekunden“ ist ein Klassiker.
  • Vergleiche: Finden mehrere seriöse Medien das Gleiche mit gleichen Daten?

Was tun, wenn du Propaganda erkennst:

  • Teile nicht impulsiv. Erst prüfen.
  • Kommentiere sachlich oder antworte mit Quellen statt mit „Feelings“.
  • Melde Inhalte, wenn sie als Desinformation/Hass erkennbar sind (je nach Plattform).

3) Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien erklären komplexe Ereignisse mit angeblichen geheimen Plänen („Die da oben“, „alles ist inszeniert“). Sie arbeiten oft mit:

  • „Man kann es nicht beweisen, aber man muss es glauben“
  • widersprüchlichen „Beweisen“, die immer passend gemacht werden
  • Feindbildern und dem Gefühl, „du bist der/die Auserwählte, der/die durchblickt“

Ziel der Verbreitung von Verschwörungstheorien ist, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, Frust zu erzeugen und damit meist auch die Politik zu ändern. In den meisten Fällen sind politische Parteien rechts und links der Mitte die Profiteure.

Risiken & Konsequenzen, wenn man Verschwörungstheorien ungeprüft übernimmt:

  • Realitätsverlust: Du verlierst den Bezug zu verlässlichen Fakten.
  • Misstrauen gegenüber Institutionen: Gesundheit, Wissenschaft, Medien.
  • Isolation & Streit: Beziehungen leiden, weil Dialog unmöglich wird.
  • Gefährliche Handlungen: Wenn „Regeln“ nicht mehr gelten („die Regierung lügt sowieso“), muss man sich auch nicht an Regeln halten und verstößt möglicherweis gegen Gesetze.

So erkennst du falsche/ungenügende Inhalte:

  • Gibt es prüfbare Quellen oder nur Screenshots, Hörensagen, „Leaker“-Videos?
  • Widersprüche? Werden sie ignoriert oder umgedeutet?
  • Ist die Theorie „immer richtig“, egal was passiert? Das ist ein Warnzeichen.

Was tun, wenn du betroffen bist oder es bei anderen siehst:

  • Starte mit einer Frage: „Welche Quelle ist das genau? Hast du einen Link zum Original?“
  • Bleibe respektvoll. Viele sind emotional drin – nicht nur „dumm informiert“.
  • Wenn es eskaliert (z.B. Bedrohungen), hole Hilfe: Vertrauenspersonen, Schulsozialarbeit, ggf. Beratungsstellen.
  • Melde die Quellen von bewusst gestreuter Verschwörungstheorien, die das Ziel haben, gegen andere Menschen zu hetzen oder illegale Inhalte verbreiten.

4) Medizinische und psychische Selbstdiagnosen

Viele Menschen suchen immer häufiger im Internet oder in sozialen Medien nach Informationen zu Krankheiten oder bei psychischen Problemen. Zusätzlich können bei TikTok, YouTube,..in Deinem Feed plötzlich Posts auftauchen, die dir einreden wollen: „Dieses Symptom weist auf genau diese Krankheit hin“ oder „du bist sicher psychisch betroffen, weil du …“). Meist handelt es sich dabei um Click-Bait und die Inhalte sind oft auf kurze Clips zugeschnitten, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Oft geben solchen Posts auch Ratschläge, was man in „solchen Fällen machen soll“, z.B. kaufe diese Produkte, schließ ein Online Psycho-Seminar ab, Selbstheilung durch… Eine Empfehlung zum Arzt zu gehen, findet meist nicht statt. Solche Post oder Beiträge können einen Arzt-Besuch nicht ersetzen, denn es fehlen Diagnose-Methoden, Anamnesen und Untersuchungen, die nur durch einen Arzt oder Psychologen mit der entsprechenden fachlichen Qualifikation und Erfahrung durchgeführt werden können.

Risiken & Konsequenzen, wenn man den Empfehlungen folgt:

  • Falsche Diagnosen: Du behandelst das Problem womöglich nicht richtig.
  • Angst & Panik: Schon kleine Symptome werden zu „Katastrophen“.
  • Aufschieben von echter Hilfe: Statt zur Praxis/Therapie lieber „Dr. Google“.
  • Gefährliche Nebenwirkungen: Selbstmedikation oder ungeprüfte „Therapien“.

So erkennst du, ob es faktisch korrekt ist:

  • Seriöse Inhalte nennen Grenzen („nicht zur Selbstdiagnose geeignet“), Quellen, Fachautor:innen.
  • Alarmzeichen: „100% Trefferquote“, „Heilung in 7 Tagen“, keine Rückfragen, keine Diagnostik.
  • Typischer Klick-Kniff: „Wenn du X machst, bist du Y“ → zu pauschal.

Was tun, wenn du unsicher bist:

  • Nutze Symptome als Anlass, nicht als Urteil: Geh zum Hausarzt, Ärztin oder Psychotherapie-Beratung.

  • Bei psychischen Themen→ sprich mit Vertrauenspersonen;

    bei akuter Krise→ Nummer gegen Kummer: 116111 oder kassenärztl. Vereinigung 116117

5) Anleitung, Billigung und Belohnung von Straftaten

Immer häufiger wird im Internet kriminelles Verhalten gefeiert und als cool oder echte Stärke dargestellt. Zusätzlich findet man Anleitungen, die genau beschreiben sollen, wie man nicht erwischt wird (z.B. „wie man X hackt“, „so geht Betrug“, „so vermeidet man erwischt zu werden“). Partiell werden die Straftaten auch verherrlicht → „Respekt, das war clever oder denen da oben, bzw. dem System hast Du es echt gezeigt). Als Belohnung für diese Regelbrüche wird dann auf der einen Seite die Anerkennung in die Community tragen oder man kann mit Status-Symbolen flexen.

Risiken & Konsequenzen, wenn Du Dich darauf einlässt:

  • Rechtliche Folgen: Ermittlungen, Strafverfahren, Einträge im Strafregister.
  • Schäden für andere: Opfer von Betrug, Gewalt, Erpressung.
  • Koordination in Gruppen: Der Einstieg wird oft zur „Community-Pflicht“.
  • Folgeprobleme: Geldverlust, Trauma bei Betroffenen, langfristige Konsequenzen für dich.

So erkennst du gefährliche Inhalte:

  • Sobald es „How-to“ Schritte, Werkzeuge, Umgehungs-Tipps gibt→ sofort Warnsignal.
  • Ruhm („Clout“)/Likes als Belohnung: Das ist manipulativ, weil Verhalten belohnt wird.
  • Oft wird ein „cooles“ Framing genutzt („nur ein kleiner Streich“) – das ändert nichts an der Schwere.

Was tun, wenn du so etwas siehst:

  • Nicht speichern, nicht teilen, nicht nachmachen.
  • Melde Inhalte an der Plattform und ggf. an zuständigen Stellen (Schule, Jugendhilfe, digitale Meldestellen, Polizei bei akuter Gefahr).
  • Wenn jemand in deinem Umfeld mit sowas startet: Brich das Gespräch nicht ab – aber klare Grenzen setzen und Hilfe anbieten.

6) Störung des öffentlichen Friedens durch illegale Aktionen

Du hast bestimmt schon mal in Deinem Social-Media Feed gesehen, das jemand zu bestimmten Aktionen oder Events aufruft, da aktuelle Themen viele Menschen emotional triggern. Dabei werden diese Aktionen oft als „Mutprobe“ oder „Protest“ beschrieben und um die möglichen Konsequenzen klein zu reden. Außerdem werden die Aktionen häufig damit gerechtfertigt, dass man sich ja für eine gute Sache einsetzt (Klima, Gerechtigkeit, Gleichstellung etc.). Um möglichst viele Menschen dazu zu holen, sagt dann jemand Dinge wie: „Nur kurz“, „total ungefährlich“ „wird schon nicht so schlimm“ oder „alle machen das“. Dabei kann es sich hierbei bewusst um Aktionen handeln, die in Wirklichkeit dazu dienen sollen, den /die öffentliche(n) Frieden/Ordnung gefährden oder bestimmt Situationen bewusst zu eskalieren. Dabei kann es im schlimmsten Fall zu Sachbeschädigungen oder auch Körperverletzungen kommen, auch wenn man selber nicht damit gerechnet hat, das dies passieren könnte.

Risiken & Konsequenzen, wenn man mitmacht:

  • Verletzungen: Panik, Gewalt, Unfälle, Straßenschäden.
  • Straf- und Bußgelder: Ermittlungen, Anzeigen, Hausbesuche.
  • Nachhaltige Folgen: Zeugenberichte, digitale Spuren (Handyvideos!) verfolgen dich.
  • Trauma/Angst bei anderen – und Schuldgefühle oder Konsequenzen für dich.

So erkennst du manipulatives Framing:

  • „Keiner wird was machen“ / „Alles ist abgesichert“ → meistens Gegenteil.
  • Keine Infos zu Rechten, Verantwortlichkeiten, Deeskalation.
  • Aufruf zu „Eskalation“, „Konfrontation“, „gegen Regeln verstoßen“.

Was tun, wenn du dazu eingeladen wirst:

  • Geh nicht mit – auch nicht „nur zuschauen“. Präsenz kann Folgen haben.
  • Wenn du unsicher bist: frag eine erwachsene Vertrauensperson oder Schulsozialarbeit.
  • Wenn Du schon dabei bist und Dinge eskalieren, verlasse den Event und wähle den Notruf.

7) Kriegsverherrlichung

Wir werden immer wieder in sozialen Medien oder aber auch in Filmen und Fernsehserien mit Krieg oder kriegerischen Handlungen konfrontiert. Dabei kann es zu Kriegsverherrlichung kommen indem der Krieg als „heroisch“, „mutig“, „notwendig“ oder „romantisch“ dargestellt wird – oft über editierte Bilder/Videos, Musik, Memes und „Glorifizierung“. Häufig soll dies allerdings dazu dienen, Menschen zu rekrutieren, um für eine “gerechte Sache” zu kämpfen oder aber den Krieg als notwendiges Übel zu akzeptieren. Nach großen Kinoerfolgen, wie z.B. Top Gun, stiegen z.B. die Anmeldungen bei der US Navy um ca. 8%, verglichen mit dem Durchschnitt.  Dabei blenden die jeweiligen Darstellungsformen all die negativen Konsequenzen aus: Tod, Verletzungen, Traumata, Zerstörung, zivile Opfer, bzw. rechtfertigen den Krieg oder kriegerische Handlungen, um politische (z.B. Ablenkung von anderen Themen oder Hass gegen einen vermeintlichen Gegner schüren) oder materielle (z.B. Zugang zu Öl oder Bodenschätzen) Ziele zu verfolgen.

Risiken & Konsequenzen, wenn man Kriegsverherrlichung unkritisch hinnimmt:

  • Entmenschlichung von Menschen in Konflikten → weniger Empathie, mehr Gewaltbereitschaft.
  • Fehlgeleitete Entscheidungen: Du unterschätzt Risiken und reale Folgen.
  • Radikalisierung & Hass gegen „die Gegner“ statt nüchterne Einordnung.
  • Psychische Belastung: Wenn man Krieg als „normal“ wahrnimmt, kann das langfristig emotional destabilisieren.

So erkennst Du Kriegsverherrlichung und die eventuellen Motive dahinter:

  • Werden nur „Action“-Momente gezeigt, aber keine Konsequenzen?
  • Gibt es Quellen wie Originalberichte, Zahlen, Berichte von unabhängigen Stellen?
  • Wird Krieg als „Spiel“ oder „Game“ dargestellt? Das ist Manipulation.
  • Wird die gesamte Geschichte des dem Krieg zugrunde liegenden Konflikts dargestellt und werden die Sichtpunkte aller am Krieg beteiligten Parteien objektiv und un-emotional beschrieben

Was tun, wenn du solche Inhalte siehst:

  • Nutze Faktencheck & seriöse Quellen (UN-Berichte, renommierte Medien, Wissenschaft).
  • Sprich darüber mit Fokus auf Auswirkungen auf Zivilisten und Menschenrechte.
  • Wenn Inhalte zu Hass aufrufen: melden und Grenzen setzen.

Wie du Inhalte prüfen kannst: „3-Minuten-Check“

Wenn du unsicher bist, mach diese Mini-Routine:

  1. Quelle prüfen: Wer hat es veröffentlicht? Ist es eine bekannte, nachvollziehbare Redaktion/Expert:in?
  2. Belege suchen: Gibt es Links zu Originaldaten/Studien? Oder nur Screenshots und Behauptungen?
  3. Gegencheck: Gibt es dieselbe Aussage in anderen seriösen Quellen (mit Kontext)?

Wenn du merkst, dass du schon „drin“ bist

Wenn du dich ertappt hast, dass dich ein Thema stark mitzieht (Angst, Wut, „das muss stimmen“), ist das kein Grund, dich zu beschämen. Aber es ist ein Signal:

  • Raus aus der Echo-Blase (entfolgen, Pausen, andere Perspektiven suchen)
  • Gespräche mit realen Menschen (statt nur Kommentarspalten)
  • Bei psychischer Belastung: Hilfe holen (Schulsozialarbeit, Beratungsstellen, Ärzt:innen/Therapie)

Weitere Artikel