Personalisierte Werbung
Personalisierte Werbung auf Social Media – Chancen, Risiken und wie du dich schützen kannst
Was ist personalisierte Werbung?
Wenn du auf TikTok, Instagram, Snapchat oder YouTube unterwegs bist, siehst du Werbung, die oft erstaunlich gut zu deinen Interessen passt. Das nennt man personalisierte Werbung oder Targeted Advertising.
Soziale Netzwerke sammeln Informationen über dein Verhalten, zum Beispiel:
• Welche Beiträge du likest
• Welche Videos du anschaust
• Wonach du suchst
• Welche Accounts du abonnierst
• Welche Webseiten du besuchst
Anhand dieser Daten erstellen Algorithmen ein Profil deiner Interessen. Anschließend werden dir Werbeanzeigen gezeigt, die möglichst gut zu diesem Profil passen.
Warum ist personalisierte Werbung besonders für Jugendliche relevant?
Jugendliche verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit auf sozialen Medien. Gleichzeitig befinden sie sich in einer wichtigen Entwicklungsphase, in der Identität, Selbstbild und Kaufverhalten noch stärker beeinflusst werden können.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Jugendliche oft noch nicht vollständig erkennen, wie umfangreich Daten gesammelt werden und wie gezielt Werbung auf ihre Interessen zugeschnitten wird. Das Verständnis für kommerzielle Absichten entwickelt sich erst schrittweise und erreicht häufig erst im späten Jugendalter ein ähnliches Niveau wie bei Erwachsenen.
Welche Risiken gibt es?
1. Beeinflussung von Kaufentscheidungen
Personalisierte Werbung soll nicht nur informieren, sondern dein Verhalten beeinflussen. Je besser eine Werbung zu deinen Interessen passt, desto wahrscheinlicher ist es, dass du darauf reagierst oder etwas kaufst.
Dadurch können Jugendliche leichter zu spontanen Käufen verleitet werden.
2. Verlust der Privatsphäre
Viele Nutzerinnen und Nutzer wissen nicht genau, welche Daten über sie gesammelt werden.
Dazu können gehören:
• Standortdaten
• Suchverhalten
• Interessen
• Kontakte
• Nutzungszeiten
Je mehr Daten gesammelt werden, desto genauer können Unternehmen persönliche Profile erstellen.
3. Verstärkung von Unsicherheiten
Algorithmen zeigen häufig Inhalte, die Aufmerksamkeit erzeugen. Dazu gehören oft Themen wie:
• Aussehen und Schönheit
• Fitness
• Lifestyle
• Konsum
4. Manipulation durch politische oder gesellschaftliche Werbung
Nicht nur Unternehmen nutzen personalisierte Werbung. Auch politische Organisationen können bestimmte Gruppen gezielt mit Botschaften ansprechen.
Dadurch sehen unterschiedliche Personen unterschiedliche Informationen, was die Meinungsbildung beeinflussen kann.
5. Mehr Bildschirmzeit
Personalisierte Inhalte und Werbung sind darauf ausgelegt, möglichst interessant zu wirken. Dadurch verbringen viele Jugendliche mehr Zeit auf sozialen Netzwerken als ursprünglich geplant.
Zu hohe Nutzungszeiten können sich negativ auf Schlaf, Konzentration und Wohlbefinden auswirken.
Woran erkennst du personalisierte Werbung?
Achte auf folgende Hinweise:
• Anzeigen mit dem Hinweis „Gesponsert“
• Werbung für Produkte, nach denen du kürzlich gesucht hast
• Werbung, die genau zu deinen Hobbys oder Interessen passt
• Influencer-Beiträge mit Werbekennzeichnung
Wenn eine Anzeige „wie für dich gemacht“ wirkt, handelt es sich wahrscheinlich um personalisierte Werbung.
Tipps zum Schutz deiner Daten und deiner Privatsphäre
Überprüfe deine Werbeeinstellungen
Die meisten Plattformen bieten Einstellungen für personalisierte Werbung an. Dort kannst du festlegen, welche Daten für Werbezwecke genutzt werden dürfen.
Teile nur notwendige Informationen
Überlege dir vor dem Posten:
• Muss jeder diese Information sehen?
• Ist die Angabe wirklich notwendig?
Je weniger Daten du preisgibst, desto weniger Informationen können für Werbeprofile genutzt werden.
Hinterfrage Werbung kritisch
Frage dich:
• Warum wird mir genau diese Werbung angezeigt?
• Möchte ich das Produkt wirklich?
• Oder werde ich gerade gezielt beeinflusst?
Nutze Datenschutzfunktionen
Aktiviere nach Möglichkeit:
• Private Konten
• Eingeschränkte Standortfreigaben
• Individuelle Datenschutzeinstellungen
Sprich mit anderen darüber
Tausche dich mit Freunden, Eltern oder Lehrkräften über Werbung und Datenschutz aus. Oft hilft eine zweite Meinung dabei, Werbung kritischer zu betrachten.
Wissenschaftliche Quellen
- American Psychological Association (APA). (2024).
Health Advisory on Social Media Use in Adolescence
. Die APA weist darauf hin, dass Jugendliche altersgerecht über die kommerzielle Nutzung ihrer Daten informiert werden sollten.
2. Strycharz, J. et al. (2020).
Adolescents’ advertising literacy and privacy protection strategies in the context of targeted advertising on social networking sites
. Die Studie zeigt, dass das Verständnis für Datensammlung und personalisierte Werbung bei Jugendlichen noch in Entwicklung ist.
3. Zarouali, B., Poels, K., Ponnet, K. & Walrave, M. (2018).
Everything under control? Privacy control salience influences both critical processing and perceived persuasiveness of targeted advertising among adolescents
. Die Forschenden untersuchten, wie Jugendliche personalisierte Werbung wahrnehmen und bewerten.
4. Hirsch, M., Binder, A. & Matthes, J. (2025).
A “drop in the ocean”? Emerging adults’ experiences and understanding of targeted political advertising on social media.
Die Studie behandelt die Wirkung zielgerichteter politischer Werbung auf junge Nutzerinnen und Nutzer.
5. Harvard T.H. Chan School of Public Health (2023). Studie zu Werbeeinnahmen durch Minderjährige auf Social-Media-Plattformen. Die Ergebnisse verdeutlichen die wirtschaftliche Bedeutung jugendlicher Nutzer für Werbetreibende.