Mentales Wellbeing
Mentales Wohlbefinden (Wellbeing) und soziale Medien – Wie soziale Netzwerke unsere Psyche beeinflussen
Was bedeutet mentales Wohlbefinden?
Mentales Wohlbefinden beschreibt, wie es einem Menschen psychisch und emotional geht. Dazu gehören beispielsweise das eigene Selbstwertgefühl, der Umgang mit Gefühlen, die Fähigkeit, mit Stress umzugehen, sowie das Erleben von Freude, Zufriedenheit und sozialen Beziehungen.
Soziale Medien sind heute ein fester Bestandteil des Alltags vieler Jugendlicher. Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat oder YouTube ermöglichen Austausch, Unterhaltung und den Kontakt zu Freundinnen und Freunden. Sie können das Zugehörigkeitsgefühl stärken, Inspiration bieten und den Zugang zu Informationen erleichtern.
Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Studien, dass die intensive Nutzung sozialer Medien auch Auswirkungen auf das mentale Wohlbefinden haben kann – sowohl positive als auch negative. Entscheidend ist dabei vor allem, wie und wie lange soziale Medien genutzt werden.
Wie können soziale Medien das mentale Wohlbefinden beeinflussen?
Soziale Netzwerke zeigen häufig besonders schöne, spannende oder erfolgreiche Momente aus dem Leben anderer Menschen. Viele Beiträge sind sorgfältig ausgewählt oder bearbeitet und spiegeln nicht den gesamten Alltag wider.
Jugendliche vergleichen sich deshalb häufig mit anderen. Gleichzeitig können Likes, Kommentare oder die Anzahl der Follower das Gefühl vermitteln, dass der eigene Wert von der Meinung anderer abhängt. Forschende weisen darauf hin, dass soziale Vergleiche und die Suche nach sozialer Anerkennung das psychische Wohlbefinden beeinflussen können.
Welche Risiken und Herausforderungen gibt es?
Sozialer Vergleich
Beim Scrollen durch soziale Netzwerke sehen Jugendliche häufig Bilder von scheinbar perfekten Körpern, aufregenden Erlebnissen oder besonderen Erfolgen. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass andere Menschen glücklicher oder erfolgreicher sind.
Dies kann zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben oder dem eigenen Aussehen führen.
Stress und ständige Erreichbarkeit
Viele Jugendliche fühlen sich unter Druck, schnell auf Nachrichten zu antworten oder regelmäßig neue Inhalte zu posten. Auch die Sorge, etwas zu verpassen („Fear of Missing Out“ – FOMO), kann Stress verursachen.
Dadurch fällt es manchen schwer, sich zu entspannen oder bewusst Pausen von sozialen Medien einzulegen.
Geringeres Selbstwertgefühl
Wer sich häufig mit anderen vergleicht oder viel Wert auf Likes und Kommentare legt, kann das eigene Selbstwertgefühl zunehmend von der Rückmeldung anderer abhängig machen.
Besonders Jugendliche befinden sich noch in der Entwicklung ihrer Identität und reagieren deshalb häufig sensibler auf soziale Bewertungen.
Psychische Belastungen
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine sehr intensive Nutzung sozialer Medien mit verschiedenen psychischen Belastungen zusammenhängen kann. Dazu gehören unter anderem:
• Stress
• Angstgefühle
• depressive Stimmung
• Einsamkeit
• Schlafprobleme
Nicht soziale Medien allein verursachen diese Belastungen. Sie können jedoch bestehende Probleme verstärken oder zusätzlichen Druck erzeugen.
Wie können soziale Medien auch positiv wirken?
Soziale Medien haben nicht nur Risiken. Sie können Jugendliche auch unterstützen, indem sie:
• den Kontakt zu Freundinnen und Freunden erleichtern,
• den Austausch über gemeinsame Interessen ermöglichen,
• Informationen zu Gesundheit, Schule oder Hobbys bereitstellen,
• kreative Möglichkeiten bieten,
• Unterstützung durch Online-Communities ermöglichen.
Ein bewusster Umgang mit sozialen Medien kann dazu beitragen, diese positiven Seiten zu nutzen.
Wie kann man das mentale Wohlbefinden stärken?
Ein gesunder Umgang mit sozialen Medien bedeutet nicht, vollständig darauf zu verzichten. Vielmehr geht es darum, bewusst zu entscheiden, wann und wie soziale Netzwerke genutzt werden.
Hilfreiche Tipps sind:
• Bildschirmzeiten regelmäßig überprüfen.
• Accounts folgen, die realistische und vielfältige Inhalte zeigen.
• Sich nicht ständig mit anderen vergleichen.
• Regelmäßig Pausen von sozialen Medien machen.
• Zeit für Bewegung, Hobbys und persönliche Treffen einplanen.
• Das Smartphone vor dem Schlafengehen bewusst zur Seite legen.
• Sich bewusst machen, dass Likes und Follower nichts über den eigenen Wert als Mensch aussagen.
• Mit Freundinnen, Freunden oder Erwachsenen über belastende Erfahrungen sprechen.
Wie kann man Freundinnen oder Freunde unterstützen?
Wenn Freundinnen oder Freunde durch soziale Medien belastet wirken oder sich häufig mit anderen vergleichen, kann Unterstützung helfen.
Hilfreich ist:
• Zuhören und Sorgen ernst nehmen.
• Verständnis zeigen und keine Vorwürfe machen.
• Gemeinsam Zeit ohne Smartphone verbringen.
• Positive Rückmeldungen geben, die nicht nur das Aussehen betreffen.
• Bei anhaltenden Belastungen gemeinsam Hilfe bei Eltern, Lehrkräften, Beratungsstellen oder psychologischen Fachkräften suchen.
Ein gesundes mentales Wohlbefinden entsteht nicht durch möglichst viele Likes oder Follower, sondern durch stabile Beziehungen, Selbstvertrauen, Erholung und einen bewussten Umgang mit digitalen Medien.
Quellen
• World Health Organization (WHO) – Mental Health and Well-being
https://www.who.int/health-topics/mental-health
• American Psychological Association (APA) – Social Media and Mental Health
https://www.apa.org/topics/social-media-internet
• JAMA Network – Forschung zu sozialen Medien und psychischer Gesundheit bei Jugendlichen
• PubMed – Wissenschaftliche Studien zu Social Media, Wohlbefinden und psychischer Gesundheit
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/
• UNICEF – Kinder, Jugendliche und psychisches Wohlbefinden im digitalen Raum